Eltern bauen Marihuana für ihren kranken Sohn an

09.03.2016 | Sebastian Glathe

Berichterstattung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 9.3.2016

Eltern bauten für kranken Sohn Cannabis an. Im ersten Moment klingt es unglaublich: Zwei Eheleute, gutbürgerlich, legen in ihrem Eigenheim eine Cannabisplantage an. Für ihren Sohn. Doch noch vor der ersten Ernte steht die Polizei vor der Tür. Allerdings gibt es einen Grund für das Tun des 62-jährigen Rentners und seiner 57-jährigen Frau: Ihr Sohn ist schwer krank. Gernot S. (Name von der Redaktion geändert) besitzt eine amtliche Genehmigung zum Konsum von Marihuana, kann sich den legalen Erwerb in einer Apotheke – zu den dort sehr hohen Preisen – aber nicht ständig leisten. Das Verfahren gegen die Eltern wurde jüngst von einem Gericht am Rande der Region Hannover eingestellt, gegen eine Geldbuße von 1000 Euro. Sohn Gernot muss sich seit 14 Tagen vor dem Amtsgericht Hannover wegen illegalen Drogenbesitzes verantworten. Der 32-Jährige hatte im Mai 2014 selbst die Polizei gerufen, weil er in Linden belästigt wurde. Doch weil er einen Joint und 13 Gramm Schwarzmarkt-Cannabis mit sich führte, geriet er ins Visier der Justiz. Gernot S. leidet an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), an posttraumatischer Belastungsstörung und Depressionen. Er ist einer von lediglich 500 Patienten deutschlandweit, die eine Erlaubnis der Bundesopiumstelle haben, aus therapeutischen Gründen Marihuana konsumieren zu dürfen. „Voraussetzung ist, dass alle anderen Medikamente versagt haben und dass die Droge tatsächlich hilft“, erklärte gestern Frajo Grotenhermen,

Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“. Der Arzt wurde von Amtsrichter Koray Freudenberg per Videokonferenz angehört – Grotenhermen ist selbst schwer krank und bettlägerig.

„Cannabis ist kein Wundermittel und hilft nicht jedem“, sagte der Mediziner. Bei S. habe die Droge aber entscheidend dazu beigetragen, wieder am sozialen Leben teilhaben zu können.

„Was mir mit unserem Sohn über viele Jahre mitgemacht haben, war die Hölle“, sagte die Mutter. Der Vater berichtete im Zeugenstand von den aggressiven Ausbrüchen seines Sohnes, die über Eltern, Anwalt, Freunde und Wildfremde hereinbrechen konnten. Er erzählte von Selbstmordversuchen seines Kindes, von Nervenzusammenbrüchen und Selbsteinweisungen in die MHH. „Doch wenn Gernot seine Cannabis-Dosis bekommt, ist er ruhig und konzentriert“, sagte der 62-Jährige. 2300 Euro pro Monat für den legalen Drogenkauf in einer Apotheke aufzubringen, habe jedoch die finanziellen Möglichkeiten der Familie überstiegen. Nach der Schließung der Eigenheim-Plantage haben die Eltern nun einen Kredit aufgenommen.

In zwei Wochen will das Gericht den Leiter der Bundesopiumstelle und eine
weitere Ärztin als Zeugen hören.

   

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