Fortsetzung im Kenzinger Mordfall

22.01.2015 | Sebastian Glathe, Strafrecht

Lebenslange Freiheitsstrafen wegen Mordes hat Oberstaatsanwalt Michael Mächtel am Donnerstag im Kenzinger Mordprozess für den 45-jährigen Angeklagten und seine 57-jährige Partnerin gefordert. Darüber hinaus hat er für beide die Feststellung der besondere Schwere der Schuld beantragt, die eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung verhindert. Für den 45-Jährigen hat er wegen dessen Vorstrafen und Gefährlichkeit zudem die Anordnung der Sicherungsverwahrung für notwendig erachtet.

Mit mehrfachem, zum Teil heftig verneinendem Kopfschütteln reagierte die 57-jährige Angeklagte auf die Beweisführung der Staatsanwaltschaft.

Ihr 45-jähriger Partner behielt dagegen die Ruhe und ließ sich, wie schon während der gesamten Beweisaufnahme so gut wie nichts anmerken. Zeitweise hatte er an den zurückliegenden Tagen den Eindruck gemacht, als ginge ihn das alles nichts an.

Oft schielte er, hinter seinem Verteidiger Sebastian Glathe sitzend, über dessen Schulter und schaute an, was dieser auf dem Display seines Laptops aus den eingescannten Prozessunterlagen aufgerufen hatte. Auch ging er stets mit vor an die Richterbank, wenn die Prozessbeteiligten dort Fotos ansahen.

In seinem knapp eine Stunde dauernden Plädoyer sagte Oberstaatsanwalt Mächtel mehrfach, dass er sich sicher sei, dass in der Gesamtschau der Indizien nur die Angeklagten als Täter in Frage kommen. Von einem unbekannten Dritten könne keine Rede sein.

Nach Schlägen Versteck der Kassette verraten

Bezüglich der Mordtat in Kenzingen vom 10. April des vergangenen Jahres argumentierte er, dass der Angeklagte die 61-jährige Kollegin seiner Partnerin wohl schon am Mittag berauben wollte. Hätte damals nicht der Hund der Vermieterin gebellt und diese ihn daraufhin nicht mit dem Tulpenstrauß für die 61-Jährige im Flur gesehen, hätte er den Überfall schon am Mittag begangen. Seine Partnerin hätte dann das Alibi gehabt, dass sie noch gearbeitet hätte.

Am Abend seien er und die Mitangeklagte von einem Nachbarn gegen 18.30 Uhr an der Haustür gesehen worden. Kurz vor 19 Uhr habe eine Zeugin das spätere Opfer angerufen und bei dieser Gelegenheit auch mit der Angeklagten gesprochen. Anschließend, so Oberstaatsanwalt Mächtel, müsse der Angeklagte der 61-Jährigen mit Schlägen so heftig zugesetzt haben, dass sie das Versteck der Kassette mit mindestens 3000 Euro von ihrem französischen Patenonkel verraten habe.

Dafür sprächen nicht nur die massiven und letztlich tödlichen Schlagverletzungen im Gesicht, sondern auch der Umstand, dass die Wohnung nicht durchsucht worden war. In einer Schublade hatten die Ermittler nämlich eine Kassette mit rund 2800 Euro und einem Reisepass gefunden.

"Sie waren bis zum Schluss dabei"

Vor dem Verlassen der Wohnung sei sie in Brand gesetzt worden, um alle Spuren zu vernichten. Da die beiden Schlüssel für die Wohnungstür bei der Toten und der Vermieterin gefunden worden waren, könnte sie nur von der Angeklagten mit dem später in ihrer Tasche gefundenen Buntbartschlüssel abgeschlossen worden sein. Daraus zog Mächtel den Schluss: "Sie war bis zum Schluss dabei." Für Mächtel ein gemeinsam begangener Mord aus Habgier und zur Verdeckung der Wegnahme des Geldes. Aus dem brutalen Vorgehen und der anschließenden Brandstiftung zog Mächtel den Schluss, dass bei den Angeklagten von "einer besonderen Schwere der Schuld" auszugehen sei.

Fest steht für Mächtel auch die Täterschaft des 45-Jährigen bei einem Überfall auf einen Onkel seiner Partnerin 2010 im Elsass. Wenige Minuten nach dem Überfall, bei dem er das Versteck von Geld und Kontokarte nebst PIN aus dem alten Herrn heraus geprügelt hatte, habe er mit dessen Karte an einem Geldautomaten Geld abgehoben.Dass damals ein Fremder just eine Jacke und eine Mütze, wie sie der Angeklagte besitzt, getragen haben könnte, schloss Mächtel aus. Für diese Tat beantragte er eine Einzelstrafe von sechseinhalb Jahren.

Weitere Einzelstrafen von acht Jahren für den Angeklagten und sechs Jahren für seine Partnerin forderte er bezüglich des gemeinsamen verübten Überfalls auf eine 85-jährige Tante der Angeklagten im Elsass. Auch in diesem Fall hätten die Täter genaue Ortskenntnisse gehabt, auch in diesem Fall sei die Frau brutal niedergeschlagen geworden. Die Beute betrug mehrere tausend Euro.

Die Verteidiger werden am kommenden Dienstag zu Wort kommen.

Quelle: Badische Zeitung

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