Kenzinger Mordprozess: Verteidiger setzt weitere Begutachtung durch

27.01.2015 | Sebastian Glathe, Strafrecht

In der Verhandlung am Dienstag fielen die erwarteten Plädoyers der Verteidiger des angeklagten Paares aus. Verteidiger Sebastian Glathe stellte den Antrag auf eine weitere psychiatrische Begutachtung seines Mandanten. Dieser werde sich, was er bislang nicht getan habe, dem Gutachter bezüglich seiner Abhängigkeit von Drogen und Alkohol öffnen. Zu den Taten selbst werde er weiterhin schweigen. Das Gericht gab dem Antrag statt.

Am vergangenen Donnerstag hatte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel im Fall des 45-jährigen Angeklagten eine Verurteilung wegen Mordes an einer 61-jährigen Kenzingerin und des schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in zwei weiteren Fällen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe nebst der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und der anschließenden Sicherungsverwahrung beantragt.

Dieser so weit wie gesetzlich überhaupt nur möglich gehende Antrag muss den Angeklagten in den vergangenen Tagen zum Umdenken gebracht haben. Er, der sich in Begleitung seines Verteidigers im April 2014 der Polizei gestellt hatte, dann aber beharrlich zu den Vorwürfen der Anklage geschwiegen und auch jegliches Gespräch mit dem vom Gericht beauftragen Psychiater zur Frage einer eingeschränkten oder gar aufgehobenen Schuldfähigkeit verweigert hatte, will nun reden.

Folgt man dem Beweisantrag seines Verteidigers, dann will er nur über seinen langjährigen Konsum von illegalen Drogen und Alkohol sprechen. Glathe stellte unter Beweis, dass sich aufgrund der Sucht die Persönlichkeit seines Mandanten in den vergangenen Jahren verändert habe. Was zur Folge haben könnte, dass seine Schuldfähigkeit zwischen September 2010 und April 2014 entweder erheblich oder völlig aufgehoben gewesen sein könnte.

Anfang Februar wird weiterverhandelt

Der psychiatrische Gutachter hatte sein Gutachten, die BZ berichtete, allein auf die Vorstrafen und Krankenakten des 45-Jährigen und die Aussagen der Zeugen im Prozess stützen können. Medizinische Hinweise auf eine erhebliche Einschränkung seiner Schuldfähigkeit hatte er weder erkennen noch belegen können. Unmittelbar vor dem Plädoyer des Oberstaatsanwalts am vergangen Donnerstag hatte das Gericht den Gutachter noch einmal zu einer ergänzenden Stellungnahme geladen.

Auf die Frage, ob der Angeklagte in diesem Zeitraum unter einem Beschaffungsdruck gestanden habe, antwortete der Gutachter: "Um das festzustellen brauche ich die individuellen Angaben des Angeklagten, grundsätzliche Angaben helfen da nicht weiter." Er fügte an, dass es reine Spekulation sei, wenn er jetzt dazu etwas sagen solle.

Für einen Mord lautet die einzige vom Gesetz vorgesehene Freiheitsstrafe lebenslänglich. Eine konkrete zeitliche Freiheitsstrafe kann nur verhängt werden, wenn der Täter bei der Tatbegehung in seiner Schuldfähigkeit erheblich vermindert gewesen ist. War er schuldunfähig, wäre er freizusprechen. Allerdings wäre dann vom Gericht die Maßregel der Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus zu prüfen. Sie müsste erfolgen, wenn beim schuldunfähigen Täter ein Hang zu schweren Straftaten besteht.

Ob der Angeklagte angesichts der vom Oberstaatsanwalt geforderten Folgen noch weiter gehen wird und noch Angaben zu den Vorwürfen selbst machen wird, ist derzeit unklar. Sein Verteidiger meinte nur, dass sein Mandant zur Sache selbst weiterhin schweigen werde.

Die Vorsitzende Richterin Eva Kliene-Cosack bestimmte als weitere Verhandlungstage den 4. und 5. Februar. Sie kündigte an, dass sich die Kammer bis dahin Gedanken über die Haftfrage der 59-jährigen Mitangeklagten machen werde. Auch sie hat im Prozess geschwiegen. Auch für sie hatte Mächtel wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt.

Ihr Verteidiger Michael Moos nahm in seiner Stellungnahme den Antrag auf Freispruch seines noch nicht gehaltenen Plädoyers vorweg, als er sagte: "Ich sehe nach der Beweisaufnahme keine Anhaltspunkte dafür, dass meine Mandantin als Mittäterin oder Gehilfin an den Taten beteiligt war. Damit entfällt der dringende Tatverdacht, der Haftbefehl ist aufzuheben."

Quelle: Badische Zeitung

Konradstrasse 15 a
D-79100 Freiburg im Breisgau

fon +49 761 707 13 30
fax +49 761 707 13 31

glathe(at)kanzlei-glathe.de

PROFIL
Sebastian Glathe

„Ich freue mich, Sie als neuen Mandanten zu gewinnen und in folgenden Rechtsgebieten zu vertreten:“

  • Strafrecht
  • Verwaltungsrecht
  • Verfassungsrecht
  • Zivilrecht

mehr über S. Glathe →

Öffnungszeiten

MONTAG - FREITAG: 09:00 - 12:30 UHR
MO, MI, DO: 14:00 - 17:00 UHR

Sprachen

DEUTSCH, ENGLISCH, FRANZÖSISCH UND RUSSISCH

IN BÜROGEMEINSCHAFT

SEBASTIAN GLATHE
DR. KLAUS ESCHENBURG

 

Konradstraße 15a
D 79100 FREIBURG IM BREISGAU

 

FON +49 761 707 13 30
FAX  +49 761 707 13 31

NOTDIENST

FON +49 171 420 13 45

Datenschutzerklärung

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung