Prozessauftakt: Pfarrer aus Herdern erstochen

11.12.2014 | Sebastian Glathe, Strafrecht

Vor der 15. Schwurgerichtskammer hat am Mittwoch die juristische Aufarbeitung des gewaltsamen Todes von Christof Schorling, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Herdern, begonnen.

Christof Schorling war am Abend des 14. Juni 2014 in seinem Pfarrbüro in der Stadtstraße von einem späten Besucher mit einem Messer erstochen worden. Der Besucher, ein 31-jähriger Student aus Freiburg, hat beim Prozessauftakt ausgesagt, den Pfarrer in einer Psychose erstochen zu haben.

Er sei damals davon überzeugt gewesen, dass der Pfarrer seine Mutter und eine ehemalige Mitpatientin aus einer psychosomatischen Klinik im Keller gefangen gehalten habe, um sie zu töten – trotz der sie beschützenden Engel. Er habe den Tag über immer mehr Angst vor den Satanisten bekommen, panisch mit Gott gesprochen und ihn gefragt, wo er sich vor ihnen verstecken könne. "Dann kam die Aussage: Der Pfarrer ist zu töten, weil er Gott besiegt hat." Von wem diese Aussage kam, kann der 31-Jährige den Richtern nicht sagen. Nur, dass sie ihn telepathisch erreicht habe.

Der Student nahm an, mit seiner Tat die Welt zu retten

Er sei dann panisch in die Stadt gegangen, habe in einem Geschäft am Rathausplatz ein großes Küchenmesser gekauft und sei zurück zum Pfarrhaus gelaufen, wo er einige Stunden zuvor von Pfarrer Schorling abgewiesen und aus der Tür gedrängt worden sei. Dieses Hinausdrängen sei für ihn der Beweis gewesen, dass Schorling seine Mutter und die ehemalige Mitpatientin und auch die Engel getötet habe. Und weil der Pfarrer die Engel besiegt habe, so folgerte der 31-Jährige, müsse er der Satan sein.

Für den Studenten war damals klar: Er musste mit seiner Tat auch die Welt vor dem Untergang retten, davor, dass alle Menschen an Krebs erkranken und alsbald sterben würden. Die Aussagen des jungen Mannes, der in Handschellen von Beteuern aus dem Emmendinger Zentrum für Psychiatrie zum Prozess gebracht worden ist, klingen wirr: Teils sind sie nicht nachzuvollziehen, teils sind sie aber in sich durchaus logisch.

Staatsanwaltschaft beantragt Unterbringung

Die Staatsanwaltschaft hat ihn psychiatrisch begutachten lassen, denn sein von Zeugen geschildertes Verhalten in den Tagen vor der Tat und bei seiner Festnahme legte nahe, dass er damals hochpsychotisch war. Deshalb ist er seit seiner Festnahme wenige Stunden nach der Tat einstweilen in einer geschlossenen Abteilung des Zentrums für Psychiatrie untergebracht. Dort hat er in die Behandlung seiner Psychose mit Medikamenten eingewilligt.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn, der an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt sei, beim Gericht eine Antragsschrift mit dem Ziel der Unterbringung des 31-Jährigen in ein psychiatrisches Krankenhaus eingereicht. Zur Tatzeit sei der Beschuldigte krankheitsbedingt nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat einzusehen und entsprechend zu handeln. Er habe daher "nicht ausschließbar im Zustand völliger Schuldunfähigkeit gehandelt". Was bedeutet, dass er für den Totschlag – als solchen hat die Staatsanwaltschaft die Tat bezeichnet – nicht bestraft werden könne.

Da seine Erkrankung jedoch chronisch sei, seien weitere erhebliche Straftaten von ihm zu erwarten. Er stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar und sei deshalb unterzubringen.

Der Prozess wird am 23. Dezember fortgesetzt. Mit einem Urteil ist nicht vor Ende Januar 2015 zu rechnen.

Quelle: Badische Zeitung

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