Rachemordprozess: Ankläger sieht Mordvorwürfe als erwiesen an

25.11.2015 | Strafrecht

Für die nach seiner Überzeugung heimtückische und aus niedrigen Beweggründen begangene Ermordung eines 27-Jährigen auf dem Pendlerparkplatz in Neuenburg am 18. Juni 2014 hat Oberstaatsanwalt Eckart Berger am späten Mittwochnachmittag eine achtjährige Jugendstrafe für den 17-jährigen Angeklagten gefordert.

Auf Lebenslänglich wegen Mordes lauteten seine Anträge für dessen 48-jährigen Vater und einen 21-jährigen Freund des Sohns. Zwei Jahre mit Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge beantragte Berger für den einen 19-Jährigen, der den 27-Jährigen zum Tatort gelockt hatte.

Fünf Stunden dauerte das Plädoyer
Ruhig und gefasst lauschten insbesondere der 17-Jährige und sein Vater dem knapp fünf Stunden dauernden Plädoyer Bergers. Viel Positives über sich konnten sie nicht hören. Am Ende der akribisch zusammengetragenen objektiven Befunde aus 23 Verhandlungstagen seit dem 8. April und ihren umfangreichen Zuordnungen zu Angaben der Angeklagten, Aussagen von Zeugen, Auswertungen von Telefongesprächen, WhatsApp-Nachrichten und Kurznachrichten, kam Oberstaatsanwalt Berger zu dem Schluss, dass Vater, Sohn und dessen 21-jähriger Freund seit dem 13. Juni 2014 die Ermordung des 27-Jährigen gemeinsam geplant und am 18. Juni in die Tat umgesetzt haben.

Polizei nie um Hilfe gebeten

Oberstaatsanwalt Eckart Berger erinnerte daran, dass die Familie sich nie bei der Polizei nach dem Fortgang der Ermittlungen gegen den namentlich bekannten 27-Jährigen erkundigt habe. Auch habe der Vater die Polizei nie um Hilfe gebeten, um seinen Sohn zur Vernunft zu bringen. Der habe nicht nur unermüdlich in sozialen Netzwerken im Internet, sondern auch bei der gemeinsamen Suche mit dem 21-jährigen Freund in und um Müllheim und Neuenburg herum immer wieder deutlich gemacht, dass er den Gesuchten töten wolle.

Dazu habe er sowohl dem Freund als auch unbeteiligten Zeugen ein Messer gezeigt, dass er damals in einem Strumpf versteckt bei sich trug. In diesem Zusammenhang betonte der Ankläger, dass der 21-Jährige nichts getan habe, um den Jüngeren von seinem Vorhaben abzubringen. Ein gewichtiges Indiz in seinen Augen, dass der Freund in den Mordplan eingeweiht und durch das spätere Festhalten des Opfers auf dem Parkplatz dessen Ermordung ebenfalls gewollt und mitgetragen habe.

Aussagen immer wieder angepasst

Die Einlassungen der drei wegen Mordes Angeklagten ließ Berger nicht gelten und bezichtigte dabei insbesondere den 21-Jährigen als Lügner. Der habe seine Aussagen immer wieder angepasst und sich dabei selbst widersprochen. Dass er nur von einer Abreibung des 27-Jährigen ausgegangen sei und ihn schon nach den ersten Angriffen von Vater und Sohn losgelassen habe, könne widerlegt werden.

Ausfahrbaren Teleskopschlagstock mit dabei

Nicht nachvollziehbar ist es für den Ankläger, dass der Vater, wenn er denn wirklich nichts von der geplanten Ermordung gewusst habe, seinen Sohn auf dem Parkplatz nicht vom Zustechen abgehalten habe. Zum einen sei er das respektierte Oberhaupt der Familie und zum anderen habe er laut den glaubhaften Aussagen des 19-Jährigen einen ausfahrbaren Teleskopschlagstock dabei gehabt.

Mit diesem, so Berger, hätte der Vater seinem über 23 Mal zustechenden Sohn das Messer frühzeitig aus der Hand schlagen können. Stattdessen habe er selbst mit dem Schlagstock auf den 27-Jährigen eingeschlagen.
Für den Ankläger wiegt die Schuld des Vaters so schwer, dass er das Gericht zur Feststellung der besonderen Schwere der Schuld aufgefordert hat. Das würde bedeuten, dass der Vater nach Ablauf von 15 Jahren nicht aus der Haft entlassen werden könnte.

Die Vertreter der Nebenklage und die vier Verteidiger werden am 30. November und vermutlich am 1. Dezember plädieren. Die Urteile sollen am 7. Dezember verkündet werden.

 

Als Motive nennt Berger Rache für die mutmaßliche Vergewaltigung der ältesten Schwester des 17-Jährigen und Selbstjustiz. Das gehe unzweifelhaft aus dem Verhalten des Vaters anlässlich der Strafanzeige der Tochter am 12. Juni 2014 auf dem Polizeirevier in Müllheim hervor. Dort habe er erklärt, dass in seiner libanesischen Heimat eine derartige Tat mit dem Tod des Vergewaltigers geahndet werde. Auch seine Frau habe später in der Uniklinik Äußerungen in diese Richtung gemacht. So habe sie gesagt, dass sie die Sache übernehme, damit ihr Mann nichts ins Gefängnis gehen müssen.

So spreche aufgrund der zahlreichen Messerstiche viel dafür, dass er den 27-Jährigen noch festgehalten habe, als dieser bereits gestochen wurde. Ihm könne aufgrund der Umstände nicht abgenommen werden, dass er am Tatort kein Messer gesehen haben will.

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