Rachemordprozess: Plädoyer der Verteidigung

30.11.2015 | Sebastian Glathe

Im Neuenburger Rachemordprozess plädieren die Verteidiger und kritisieren Polizei und Ankläger. Es sei nicht mit fairen Mitteln gearbeitet worden, ein Mord sei nicht nachweisbar.

Mit polemischen Spitzen gegen den die Anklage vertretenden Oberstaatsanwalt Eckhart Berger haben zwei Verteidiger im Neuenburger Rachemordprozess ihre ebenfalls ausführlich erarbeiteten Plädoyers gewürzt. Kein Wunder, hatte der Ankläger für ihre Mandanten in seinem Plädoyer am Mittwoch zwei Mal die Höchststrafe Lebenslänglich wegen der gemeinschaftlich geplanten und begangenen Ermordung eines 27-jährigen mutmaßlichen Vergewaltigers auf dem Pendlerparkplatz bei Neuenburg am 18. Juni 2014 gefordert.
Nun taten die Verteidiger ihre Pflicht und kamen angesichts der komplexen Beweislage zu anderen rechtlichen Bewertungen als der Ankläger. So hatte im Prozess keiner der drei wegen Mordes Angeklagten die Ermordung des 27-Jährigen gestanden. Vielmehr hatten der 17-Jährige und sein 21-jähriger Freund von einer geplanten Abreibung, also einer Körperverletzung gesprochen.

Der Vater will von alledem nichts gewusst und zufällig am Tatort gewesen sein. Dass er seinen Sohn dort nicht von mindestens 23 Messerstichen zurückhalten konnte, war eines der Argumente des Staatsanwalts dafür, dass der Vater in einen Mordplan eingeweiht war und die Tat des Sohnes gebilligt habe. Auch hätte der 21-Jährige, der das anfängliche Festhalten des 27-Jährigen zugegeben hatte, diese Stiche sehen und deshalb von Selbstjustiz ausgehen müssen.

Vorwurf des Verteidigers: Unfaire Methoden


Der Verteidiger des Vaters, Klaus Malek, kritisierte, dass von Seiten der Polizei und der Staatsanwaltschaft "von Anfang an nicht mit fairen Mitteln gearbeitet worden ist". Seinem Mandanten und dessen Sohn sei der Zugang zu Rechtsanwälten erst nach der Vorführung beim Haftrichter ermöglicht worden, obwohl "der Polizei dafür ein ganzer Tag zu Verfügung stand".
Malek konnte nach der 24-tägigen Beweisaufnahme keine Beteiligung seines Mandanten an einem Mordplan als erwiesen erkennen. Der entsprechende Antrag des Staatsanwalts beruhe auf "Spekulationen, Vorurteilen und Klischees". Erwiesen sei nur, dass der Vater ein Mal mit einem Schlagstock auf das Opfer eingeschlagen habe. Maleks Fazit: Eine Strafe wegen Körperverletzung sei zu verhängen, der Haftbefehl nach 18 Monaten Untersuchungshaft aufzuheben und die Reststrafe zur Bewährung auszusetzen.
Es war kein Mord, sondern eine gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge, lautete das Resume Sebastian Glathes für seinen 17-jährigen Mandanten. Der sei davon ausgegangen, dass seine Lieblingsschwester von dem 27-Jährigen am 12. Juni 2014 vergewaltigt worden sei. Deshalb habe er sich ab dem 13. Juni auf die Suche nach ihm gemacht. Sein Mandant habe wegen seiner Wut und Verzweiflung über diese Tat nicht passiv warten können, sondern handeln müssen. Damit erklärte Glathe die fieberhafte Suche und die Bewaffnung mit einem Messer.
An einen Mord habe seine Mandant nicht gedacht, denn dann hätte er das Treffen nicht auf dem um 18 Uhr noch taghellen Pendlerparkplatz in Neuenburg direkt neben der Bahnlinie vorgeschlagen. Den Gewaltausbruch seines Mandanten erklärte Glathe damit, dass sich auf dem Parkplatz die seit Tagen bei seinem Mandanten "unerträgliche innere Spannung" durch das Zustechen gelöst habe. Damit aber seien laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes die Voraussetzungen für die Annahme von niedrigen Beweggründen als Mordmerkmal nicht erfüllt.

Abreibung oder Mordplan?


Den Mordvorwurf bezüglich seines 21-jährigen Mandanten sah Verteidiger Thomas Häfner ebenfalls als nicht nachgewiesen an. Sein Mandant habe gestanden, dass er mit einer Abreibung des 27-Jährigen einverstanden gewesen sei. Am Tatort habe er das Opfer zunächst festgehalten, dann aber losgelassen, als er die zunehmende Gewalt von Vater und Sohn bemerkt habe. Ein Messer habe er nicht gesehen und nach seiner Flucht sofort seinem Vater mitgeteilt, was passiert war. "Verhält sich so einer, der einen Mord geplant hat?", fragte Häfner und verneinte die Frage. Er schlug als Strafe drei Jahre und drei Monate Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor und Aufhebung des Haftbefehls nach der 18-monatigen Untersuchungshaft.
Einig waren sich Staatsanwalt und Verteidiger Joachim Eyrich im Fall des 19-Jährigen, der im Auftrag des 17-Jährigen das Treffen auf dem Pendlerparkplatz eingefädelt hatte. Er habe erst unmittelbar am Parkplatz den Schlagstock beim Vater und den Elektroschocker bei dem 17-Jährigen gesehen. Also, so argumentierten sie, musste er lediglich von einem nicht friedlichen Zusammentreffen ausgehen. Deshalb sei eine Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung ausreichend.
Tapfer mit ihrer Fassung rang die Schwester des 27-Jährigen, die als Nebenklägerin aus Sicht der Familie über die Folgen der Tat und den Prozess informierte. Sie bezeichnete die Angeklagten Vater, Sohn und dessen Freund als Mörder, die sich das Recht herausgenommen hätten, einen Menschen zu suchen, zu verurteilen und zu töten. Damit hätten sie seine Familie zerstört. Ihr Bruder hätte die Chance verdient gehabt, sich vor Gericht gegen die Vorwürfe der Vergewaltigung zu wehren. Die Schwester kritisierte die Polizei, die ihren Bruder nicht vor den Angeklagten gefunden habe, obwohl er bei ihrer Mutter im Elsass gelebt habe. So sei die Mutter kurz nach der Vergewaltigungsanzeige bei der Polizei gewesen, um einen Internetbetrug anzuzeigen. Die Polizei habe sie nicht nach ihrem Sohn gefragt.
Die Urteile sollen am 7. Dezember verkündet werden.

www.badische-zeitung.de/rachemordprozess-plaedoyer-der-verteidigung

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